Editorial: Auf hoher See

Es gibt kaum einen sozialen oder ökonomischen Bereich, in dem die Veränderungen durch die Digitalisierung nicht alte eingeübte Strukturen in Frage stellen und neue Formen der Kooperation, des Wirtschaftens sowie der sozialen und politischen Beteiligung hervorbringen. Es ist Zeit, diese Entwicklungen noch stärker ins Auge zu fassen.

Der Jahresrückblick Netzpolitik betrachtet mit Abstand und in Form einer Nachschau die Entwicklungen im Jahr 2012. Wer hat wofür gestritten? Wer konnte sich durchsetzen, wer nicht? Welche Entwicklungen wurden angestoßen? Welche Perspektiven und Vorschläge haben das Potenzial weitergehend Einfluss zu nehmen? In Kommentaren, Interviews, Expertenmeinungen und Überblicksartikeln zeichnen wir ein Jahr nach, in dem wir kaum mehr wissen, was vor einem Monat geschehen ist. In atemberaubender Geschwindigkeit verschieben sich die Parameter unserer Gesellschaft. Politik, Gerichte, Unternehmen und Nutzer entwickeln abwechselnd, zusammen und getrennt voneinander eine neue Gesellschaft. Das Innehalten wird zum Luxus, die Privatsphäre zur Öffentlichkeit und die Offenheit zur neuen Währung.

Aufgeregt und enthusiastisch verfolgen wir die Veränderungen, versuchen Bedeutungen zu bemessen und eine Orientierung in der Vielgestaltigkeit der Geschehnisse zu bieten. Heilsversprechen, Moden, Trends und gesteuerte Interessen verschleiern oft den Blick auf die Motoren im Maschinenraum – wir versuchen, dagegenzusteuern. Wer wird Steuermann, wer Matrose, wer winkt vom Ufer aus mit einem Taschentuch der Entwicklung hinterher?

Zwischen „kaltem Krieg“, „Drama“, „Wachsamkeit“ und „fehlender Kontrolle“ geht es um Internetpolitik, Datenschutz, Urheberrecht, offene Innovationsprozesse, alte Verwertungsstrukturen, neue Perspektiven, Bedenkenträger und Fortschrittspropheten. Professoren, Aktivisten, Politiker, Forscher und Journalisten kommen zu Wort, um Bewertungen vorzunehmen und zu berichten. Aus einer Welt von heute.

„Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik“ ist die erste Veröffentlichung im neuen Verlag iRights.media. Erstellt wurde er gemeinsam von der Redaktion der Informationsplattform iRights.info und den Mitarbeitern des ThinkTanks für Strategien in der digitalen Welt, iRights.lab. Wir wünschen uns für Sie als Leser des Jahresrückblicks, dass Sie innehalten können, Revue passieren lassen und nachdenken über die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Gerne auch bei einem Tee, wenn es draußen schneit.

Philipp Otto

Philipp Otto

Philipp Otto ist Gründer des Think Tanks iRights.Lab und des Verlages iRights.Media. Er ist Herausgeber von iRights.info. Er entwickelt Strategien und Konzepte zur Bewältigung der Digitalisierung. Hierbei arbeitet er mit und für Regierungen, Parlamente, Unternehmen und Vertreter der Zivilgesellschaft.

Foto: Jürgen Keiper
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