Editorial: Raus aus dem sicheren Hafen

Wenn Sie dieses Magazin zur Hand nehmen, ist es draußen voraussichtlich kalt und man kommt leicht ins Frösteln. Aber im Idealfall sitzen Sie gerade an einem warmen Ort. Sieht man mit einem ruhigen Blick auf das netzpolitische Jahr zurück, wird als erstes deutlich: Immer mehr Schlagzeilen rauschen vorbei, die Übersicht zu behalten, wird schwieriger. Die Digitalisierung dringt weiter in alle Bereiche unseres Alltags vor. Ein neues Betriebssystem, ein neues mobiles Gerät kommt; wir fragen, ob wir unseren Haushalt stärker vernetzen sollen oder ob es neue Lernplattformen gibt, die endlich einmal ausprobiert werden sollten. Dazwischen dramatische Überschriften zu Google, zum Fahrdienst Uber, zum Thema Datenmissbrauch, über das prognostizierte Ende mittelständischer Hard- und Softwareentwicklung in Deutschland und zu vielen anderen Dingen, die oft nur schwer in ihrer ganzen Dimension zu fassen sind.

Aber wir haben uns das Video angesehen, wie eine Katze das Kleinkind vor einem Hund rettet. Wir sind up to date, was es mit einer seltenen Krankheit auf sich hat, und mit Eiskübeln, die man sich über den Kopf schüttet. Wir haben gelernt, wie wichtig Verschlüsselung für unsere Kommunikation ist, tun es häufig dennoch nicht und glauben, es würde schon gut gehen. Und die Politik handelt jetzt scheinbar auch. Ohne Pressemeldung zur Digitalisierung und zum Internet will sich bald kein Politiker mehr sehen lassen. Es ist ein vorsichtiges, oftmals hilfloses Antasten an das Gefühl, dass die Digitalisierung unser Leben stärker verändern wird als gedacht.

Währenddessen wird die Fähigkeit immer wichtiger, mit dem Internet zu leben, zu arbeiten und zu gestalten. Das gilt nicht nur für das Individuum, sondern für die ganze Gesellschaft. Wichtig dabei ist, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern persönliche und gesellschaftliche Ideen und Konzepte zu entwickeln, die unser Leben besser machen. Egal ob als Nutzerin, Wissenschaftler, Unternehmerin oder Politiker. Der Ruf nach gesetzlicher Regulierung liegt immer nahe, aber im grenzüberschreitenden Internet ist das leichter gesagt als getan.

Mit den Beiträgen im Jahresrückblick Netzpolitik wollen wir Sie einladen, sich auf eine Reise in die digitale Welt und ihre Schauplätze zu begeben. Wir wollen einen Einblick geben und Entwicklungen nachzeichnen, herausarbeiten und verständlich machen; für alle, nicht nur für Experten. Das Netz 2014/2015 gibt es gedruckt im Buchhandel, online und am Kiosk an Bahnhöfen und Flughäfen. Das E-Book ist in allen gängigen Online-Shops verfügbar. Zudem stehen alle Artikel auch in einer kostenlosen Online-Lesefassung unter freier Lizenz zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Im Namen der Redaktion

Philipp Otto,
Herausgeber

Philipp Otto

Philipp Otto

Philipp Otto ist Gründer des Think Tanks iRights.Lab und des Verlages iRights.Media. Er ist Herausgeber von iRights.info. Er entwickelt Strategien und Konzepte zur Bewältigung der Digitalisierung. Hierbei arbeitet er mit und für Regierungen, Parlamente, Unternehmen und Vertreter der Zivilgesellschaft.

Foto: Jürgen Keiper
Philipp Otto

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