Unsere Künstler_innen

DAS NETZ 2016/2017

Cover-Gestaltung: Sam Chivers

Mehrere Jahre lang führte ich ein Doppelleben. Tagsüber arbeitete ich für ein Design- und Illustrationsstudio und erstellte Arbeiten für viele verschiedene Kunden in unterschiedlichsten Stilrichtungen. Nach Feierabend arbeitete ich an eigenen Projekten, um ein bisschen kreative Freiheit zu genießen, fern vom Druck der kommerziellen Welt und ohne ständig gesagt zu bekommen, was ich tun soll. Dabei verband ich meine Liebe zum Zeichnen und das Herumgeeken am Computer miteinander, so dass am Ende oft Siebdrucke herauskamen. Das Siebdruckverfahren ist ein Prozess, den ich gerade wegen der Einschränkungen lieben lernte, die er einem auferlegt. Ich mochte den Versuch, mit nur drei oder vier Schichten einen Eindruck von Tiefe herzustellen. Fehler stellten sich oft als angenehme Überraschungen heraus. Nach einer gewissen Inkubationszeit begannen sich, wie ich gehofft hatte, kommerzielle Kunden für diese Arbeit zu interessieren, und letztendlich entschied ich mich zu dem Schritt, in Vollzeit selbstständig zu arbeiten.
Meine Arbeit bewegt sich auf dieser verschwommenen Grenze zwischen Wissenschaft und Natur. Kürzlich wurde mir bewusst, wie sehr ich von der ländlichen Gegend beeinflusst bin, in der ich lebe, und dass ich dazu tendiere, sie durch das Zeichnen zu fiktionalisieren.
Mein Ehrgeiz in Bezug auf meine Arbeit besteht darin, sie zu verbessern und mich als Künstler ständig weiterzuentwickeln. Derzeit ist das Ergebnis meiner Arbeit zu einem zweiköpfigen Monster mutiert: Ich mache auf der einen Seite diese Airbrush-Science-Fiction-Landschaften und auf der anderen mehr handgezeichnete Stücke mit eingeschränkter Farbpalette – mein Ziel ist es, die Punkte zwischen diesen beiden Stilen zu verbinden und sie so irgendwie näher zusammenzubringen.

Monatsrückblicke: Das Hubble-Weltraumteleskop

Benannt nach dem Astronauten Edwin Hubble wurde es gemeinsam von der NASA und der ESA entwickelt, um die Einschränkungen der Bildauflösung durch die Erdatmosphäre zu umgehen. Trotz einer Reihe von Fehlschlägen ist es weltweit bekannt für seine zuvor unerreichbaren Aufnahmen. Der Weg dahin war aber steinig. So gab es nach der Inbetriebnahme 1990 gravierende Probleme. Wegen eines Fehlers am Hauptspiegel waren Hubbles Bilder praktisch unbrauchbar. Ein Austausch des Spiegels wäre jedoch zu teuer gewesen. Der Fehler wurde erst 1993 durch ein zusätzliches Spiegelsystem korrigiert: das Corrective Optics Space Telescope Axial Replacement kurz: COSTAR. Wie Menschen, die ihre Fehlsichtigkeit mit Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen, war Hubble auch auf eine Sehhilfe angewiesen. Seitdem hat Hubble beachtliche Erfolge erzielt. Seine Ergebnisse dienen zum Beispiel zur Eichung der kosmischen Entfernungsskala, zur Untersuchung der Ausdehnung des Weltalls durch die Beobachtung ferner Supernovae und zum Nachweis schwarzer Löcher. Außerdem wurden seine Bilder in der Serie Star Trek verwendet. Dennoch sind Hubbles Tage gezählt. Durch seinen stetig sinkenden Orbit wird das Teleskop voraussichtlich im Jahr 2024 in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen. Es gibt keine Pläne, Hubbles Umlaufbahn mit einem anderen Raumfahrzeug wieder anzuheben. Bis dahin soll sein Nachfolger, das James-Webb-Teleskop, in Betrieb genommen werden.

DAS NETZ 2015/2016

Cover-Gestaltung: Mark Ulriksen
www.markulriksen.com

Mark Ulriksen ist Künstler und Illustrator aus San Francisco. Besondere Bekanntheit hat er aufgrund seiner Arbeit für die US-amerikanische Nachrichten-, Kultur- und Literaturzeitschrift The New Yorker erlangt, für die er seit 1993 regelmäßig die Cover-Gestaltung übernimmt. Inzwischen gehen über 50 Motive auf seine Rechnung.
Ulriksen hat Wandgemälde für United Airlines sowie die Chicago Bears angefertigt und für das Magazin Gold Digest die 2008 Masters und 2015 die British Open begleitet. Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mehrere Gold- und Silver-Medaillen von der New York Society of Illustrators. Erst kürzlich hat er sein erstes Buch geschrieben und illustriert: „Dogs Rule Nonchalantly“ widmet sich seiner Liebe für den besten Freund des Menschen. Das Buch ist derzeit nur in englischer Sprache erhältlich.
Für den diesjährigen Jahresrückblick hat Ulriksen ein exklusives Coverbild kreiert: seine Vision einer Stadt der Zukunft. Und die Befürchtungen sind wohl war: Menschen werden auf Segways mit Virtual-Reality-Brillen durch die Stadt düsen. Willkommen in Digitropolis!

Monatsübersichten: Das Nichts von Dorotea Etzler aka lazyliu
www.doroteaetzler.de
www.lazyliu.berlin

Dorotea Etzler ist Konzeptkünstlerin aus Berlin. Als lazyliu gestaltet sie Räume mit Videoprojektionen. Für den diesjährigen Jahresrückblick hat Etzler einige ihrer auf Screenshots basierenden Kompositionen für die Monatsrückblicke zur Verfügung gestellt.
Mit schnellem Knopfdruck reagiert sie auf sich langsam aufbauende Webseiten, auf Flächen und Rahmen von bildunterdrückten Mails, auf Farbflächen bei der Bildersuche im Netz. Eine Session ihrer Werkreihe „Das Nichts“ umfasst bis zu 1500 Screenshots eines einzigen Ursprungsbildes, die im Video animiert und im Split-Screen angeordnet werden. In der Postproduktion findet sonst keinerlei Bildbearbeitung statt.
Mit jeder Session begibt sich Etzler auf eine Erkundungsreise durch die Bildwelten digitaler Kommunikation. Glitch Art und eine Fokussierung auf Ränder stehen seit jeher im Mittelpunkt ihrer medienreferenziellen Arbeiten.

DAS NETZ 2014/2015

Cover-Gestaltung: Ryan Inzana
www.ryaninzana.com

ryanDas ist Ryan Inzana. Er ist verantwortlich für das wunderbare Titelbild und hat uns nicht nur durch sein Talent, sondern auch durch seine sympathische Art in der Produktion viel Freude bereitet.
Nachdem uns im letzten Jahr der Berliner Zeichner Tim Dinter eine großartige Grafik für Das Netz 2013-2014 gezeichnet hat, begründen wir nun eine kleine Tradition, indem wir mit Ryan Inzana wieder einen Illustrator und Comic-Künstler für die Gestaltung unseres Titelbildes engagiert haben.
Ryan Inzana lebt in New Jersey. Seine Arbeiten sind weltweit in Galerien, auf Titelseiten von Magazinen, in Werbekampagnen und Büchern zu sehen. Mit seinem neuesten Werk „Ichiro“, einer Graphic Novel über einen japanischen Jungen in New York City, wurde er sowohl mit dem Asian-Pacific American Award für Jugendliteratur ausgezeichnet, als auch für den Eisner-Award, einem der wichtigsten amerikanischen Preis für Comiczeichner, nominiert. In seinen Arbeiten verbindet Inzana abstrakte Ideen mit einem ausdruckstarken Zeichenstil, in dem Elemente aus Filmen, Popkultur und Mythologie eine kongeniale Verbindung eingehen.

Monatsübersichten: Umzäunte Gesellschaft, ein Projekt von Christiane Kriegerowski und Christoph Tempel
Duckwoman.de/umzaeuntegemeinschaft/

Die Monatsübersicht „Was war los im Netz 2014“ zeigt Zaunmodelle der Umzäunten Gemeinschaft:
„Zäune grenzen ab, sie markieren die Trennlinien zwischen Grundstücken, Gesellschaftsschichten und Nationen. Oft symbolisieren sie die Grenze mehr, als wirklich ein Hindernis darzustellen. Zäune, Gitter, Absperrungen materialisieren die Befürchtungen und Abgrenzungswünsche derjenigen, die sie aufstellen. Was nun, wenn da diffuse oder gar keine Ängste sind? Schlimmer noch als Angst vor Dunkelheit ist die Angst vor dem Namenlosen.
Hier bieten wir konkrete Hilfestellung – wir geben der Angst einen Namen: Unsere alphabetische Liste benennt alle möglichen Bedrohungen, von „soft“ oder „archaisch“ (Bälle, Wildschweine) bis „virtuell“ oder „faschistoid“ (Computerviren, Flüchtlinge). Für jedes Feindbild haben wir stets den passenden Zaun parat. Ein Grundstück ist nicht zwingend erforderlich, wir führen auch Miniaturen oder Bilder für jeden Geldbeutel. Stets geschützt in unserer umzäunten Gemeinschaft. Raushalten und reinhalten, das ist unsere Devise. Wir halten für jede Bedrohung den passenden Zaun bereit, ob Firewall oder Jägerzaun, bei uns sind Sie stets gut umhegt.“