YouTube und ich

Screenshot: YouTube

Youtube ist das neue Fernsehen – für Jugendliche spielen ARD und ZDF keine Rolle mehr. Was hat Youtube, was das Fernsehen nicht hat? Ein Fünfzehnjähriger gibt Einblick.

Ich bin schon seit ungefähr vier Jahren auf Youtube unterwegs – es ist für mich mittlerweile zu einer der wichtigsten Unterhaltungsplattformen geworden. In der Zeit hat sich schon einiges verändert – nicht nur bei Youtube, sondern auch bei meinem Sehverhalten.

Damals, als ich anfing, mir regelmäßig auf Youtube meine Zeit zu vertreiben, war alles noch neu und es wurde viel experimentiert, was den Inhalt der Videos anging. Die meisten Formate waren noch ganz frisch und man hat ständig irgendetwas Ungewöhnliches gefunden. Zum Beispiel die LeNews von LeFloid (heute einer der meist abonnierten Youtuber), die es jetzt schon seit dreieinhalb Jahren regelmäßig gibt, waren eine ganz neue Erfahrung für mich. Diese Mischung aus Humor und Nachrichten hat dazu geführt, dass ich auf die nächste Folge hingefiebert habe, als wäre es mein Geburtstag.
Die Spacefrogs sind ein Comedy-Duo, das immer super lustige Sketche hochlädt. Zwar haben sie minimalistische Effekte und von ihrer Schauspielkunst möchte ich gar nicht sprechen, doch ihr Charme macht alles wieder wett. Denn sie haben einen Riesenvorteil, im Vergleich zu anderen Medien wie Fernsehen: keinen Erfolgsdruck. Während im Fernsehen ständig Quotendruck herrscht und man sich bei einer neuen Idee Sorgen machen muss, ob sie die Quotenstandards erfüllen kann, kann man bei Youtube einfach alles online stellen. Das hat zu einer Menge kreativer Inhalte geführt.

Natürlich tritt irgendwann, wenn etwas erfolgreich funktioniert, eine Kommerzialisierung ein. Formate werden kopiert oder nehmen für mehrere Jahre einen Kanal vollständig ein. Denn jetzt lebt man von Youtube und da kommt der Gedanke ins Spiel, ob etwas angeguckt wird, wenn man eine andere Art von Videos bringt. So kommt es, dass kreative Inhalte normal werden und sich langsam bestimmte Formate verfestigen.

Doch zum Glück sind die Plätze auf Youtube nicht so knapp wie im Fernsehen und es gibt nahezu unendlich viele Kanäle, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Dadurch gibt es eine unendlich große Zahl von unterschiedlichen Interessen, die Youtube abdeckt. Es gibt nicht nur Unterhaltung. Auf dem Physikkanal „Urknall, Weltall und das Leben“ gibt es immer mittwochs und freitags hochqualitative Videos über Physik. Die beiden Physik-Professoren erklären physikalische Phänomene, reden über die neusten Entdeckungen in der Forschung und bringen jeden Mittwoch ein Video raus, wo sie Grundbegriffe der Physik erklären (zum Beispiel Entropie). Als wenn das nicht genug wäre, haben sie manchmal weltbekannte Forscher zu Gast, die mich über Themen wie Kernfusion auf dem Laufenden halten. Ein anderer Kanal, den ich gerne sehe, ist Dailyknödel. Er erzählt mir, was alles vor fünf Jahren in dieser Woche passiert ist, manchmal sogar, was nicht passiert ist, oder er kämpft für die Interessen eines Mitgliedes seiner Community.

Let‘s Plays

Abgesehen davon gibt es auf Youtube die „Let‘s Plays“. Let‘s Plays sind Videos, in denen ein Videospiel gespielt und kommentiert wird. Sie dauern manchmal Stunden und man sieht eigentlich nur anderen Leuten beim Spielen zu. Sie sind unglaublich populär. Ich habe angefangen, Let‘s Plays anzuschauen, als ich Minecraft gespielt habe. Allmählich habe ich auch Let‘s Plays von anderen Spielen angeschaut. Inzwischen schaue ich nicht mehr ganz so viele an, und wenn, dann nur als Podcast. Bei Let‘s plays stehen eigentlich nicht die Spiele, die gespielt werden, im Zentrum, sondern der Kommentator. Es geht also hauptsächlich darum, die Sympathien der Zuschauer zu gewinnen. Das typische Klischee, dass Let’s plays einfach nur Aufzeichnungen von Spielen sind, stimmt nicht ganz – man muss als Kommentator schon was auf dem Kasten haben.

Youtube gegen Fernsehen

Youtube wird immer größer und es gibt Stimmen, die sagen, dass Youtube das neue Fernsehen wird, weil immer mehr Jugendliche aufhören, klassisches Fernsehen zu schauen. Das hat auch seine Gründe. Der erste Punkt, warum Youtube Fernsehen voraus ist, ist der, dass Youtube einfach vielfältiger ist. Wie gesagt, nicht jeder kann einfach eine Fernsehsendung machen, aber jeder kann anfangen, auf Youtube Videos hochzuladen. Deshalb wird es auch immer auf Youtube viel unterschiedlichere Angebote geben als im Fernsehen.

Doch das Fernsehen hat mehr Geld zur Verfügung – durch lange Werbeblöcke oder durch den Rundfunkbeitrag. Dadurch kann es teurere Produktionen realisieren. Deshalb sind die Sendungen im Fernsehen immer hochwertiger als auf Youtube. Dort sehen die Sendungen immer etwas hobbymäßig aus.

Doch der wichtigste Unterschied zwischen beiden Plattformen ist meiner Meinung nach die Erreichbarkeit. Youtube kann man immer schauen, aber im Fernsehen kommt jede Minute etwas anderes. Deshalb ist es einfach viel bequemer, wenn man mal zwischendurch ein Youtube-Video anschaut. Im klassischen Fernsehen muss man seine Zeit immer so planen, dass man die Sendung angucken kann, die man anschauen will. Doch Fernsehen rückt nach und mittlerweile gibt es auch Sendungen, die online umsonst anzugucken sind. Zum Beispiel die Sendung „Neo Magazin Royal“ mit Jan Böhmermann. Die stellen teilweise sogar Online Exclusives auf Youtube und die aktuelle Sendung ist rund um die Uhr in der Mediathek verfügbar.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je wieder normales Fernsehen schaue. Es muss halt im Internet verfügbar sein. Von Sendezeiten abhängig zu sein und mich auf die vorgegebenen Inhalte zu beschränken, finde ich langweilig.

Milan Jeron

Milan Jeron

Milan Jeron besucht die elfte Klasse der Sophie-Scholl-Schule in Berlin.

Foto: privat
Milan Jeron

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